Was ist besser, Fehler zu machen oder Perfektion vorzutäuschen?

Wozu Fehler gut sind, und warum wir zu ihnen stehen sollten

GOTT, Du weißt, wie viele Fehler ich mache… (Psalm 69,6a; NLB)

Ich liebe es, Eis zu essen. Nun bin ich aber seit einem Jahr laktoseintolerant, vertrage also keine Milchprodukte mehr. Eisdielen, die laktosefreies Eis anbieten, sind rar gesät, in Zeiten von Corona schwierig zu erreichen und das angebotene Eis entspricht häufig nicht meinem Geschmack, zu gut kann ich mich noch an all‘ die leckeren Eissorten aus der Zeit vor meiner Laktoseintoleranz erinnern.

Abhilfe schuf ein Online-Shop in Form einer Eismaschine. Nun kann ich mein Lieblingseis selbst zaubern, auch sehr zur Freude unserer Kinder.

Die erste Portion Eis gelang auch hervorragend, am nächsten Tag allerdings setzte sich die Rühreinheit fest, da die Eismasse zu schnell gefroren war. Ich hatte den Rat der Bedienungsanleitung ignoriert, erwärmte Milch zu verwenden und stattdessen kalte aus dem Kühlschrank benutzt.

Ein Fehler, ja. Einer der Art, wie sie uns jeden Tag passieren, oft kleine und gelegentlich auch mal große.

Wir vergessen oft, dass jeder Mensch fast jeden Tag Fehler macht. Von dieser Regel gibt es nur eine Ausnahme: Jesus Christus, der fehlerlos war und ist. Alle anderen von uns bauen fast jeden Tag mehr oder weniger großen Bockmist. Und: Uns sind nur die Fehler bewusst, die wir auch erkennen, viele unserer Fehler bemerken wir noch nicht einmal. Es ist wohl jedem von uns schon einmal passiert, dass wir unwissentlich einen Menschen verletzt haben. Als dieser sich von uns zurückzog, haben wir uns gefragt: Warum?

Mit ein Grund, warum GOTT möchte, dass wir in Gemeinschaft leben, ist, dass wir von lieben Geschwistern auf unsere verborgenen Fehler aufmerksam gemacht werden. Denn nur, wenn wir unsere Fehler erkennen und uns ihnen stellen, können wir auch aus ihnen lernen. Erkennen wir einen Fehler nicht, werden wir ihn immer und immer wieder machen.

Um uns korrigieren zu lassen, braucht es ein offenes Herz und einen offenen Geist. Leider sind wir aber meist darum bemüht, den Anschein von Perfektion zu wahren und gehen daher sofort in den Verteidigungsmodus über, sobald die leiseste Kritik laut wird. Für viele von uns ist dabei Angriff die beste Verteidigung, und so antworten wir auf Kritik mit Vorwürfen unsererseits. Die Eskalation ist vorprogrammiert.

Dabei sind gerade die Menschen, die zu ihren Fehlern stehen, sich entschuldigen und aus diesen lernen können, die, die uns am sympathischsten sind. Im Grunde unseres Herzen wissen wir das, nur warum handeln wir so selten danach?

Vielleicht, weil in jedem von uns ein unterschiedlich großer Perfektionist steckt, der mit aller Mühe eine Fassade aufrecht erhalten möchte – von dem Bild, dass er selbst von sich hat und von dem, was andere sehen sollen und dürfen.

Aber so eine Fassade aufrecht zu erhalten kostet wirklich Mühe, ist anstrengend und raubt uns unsere Energie. Es ist unmöglich, eine solche Fassade auf Dauer aufrecht zu erhalten. Früher oder später erhascht unser Gegenüber doch einen Blick dahinter – spätestens, wenn die Fassade eines Tages, wie z.B. bei mir durch einen Burnout, zerbricht

Wesentlich besser ist es, zuzugeben, dass man, wie alle anderen Menschen auch, nicht perfekt ist. Dann wird das Leben schlagartig leichter. Denn in Jesus haben wir den Einen, den Perfekten, der uns mit all‘ unseren Fehlern annimmt. Ja, mehr noch: Der sie uns vergibt. Er freut sich daran, wenn wir uns mit Seinen Augen sehen: Als geliebte Kinder GOTTES, die, egal was sie auch anstellen, diese Liebe niemals verlieren können. Die Seine Vergebung annehmen, genauso, wie sie ihrem Nächsten vergeben. So bringen wir Seine Liebe in diese lieblose Welt. Dabei hinterlassen wir diese Welt nicht nur ein wenig besser, als wir sie vorgefunden haben, wir selbst werden zu besseren Menschen, in aller Unvollkommenheit und – mit einem Eis in der Hand…

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