Wer liebt hier wen?

Braucht es wirklich mehr Selbstliebe?

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst (10x in der Bibel: 3. Mo. 19,18; Mt. 5,43; 19,19; 22,39; Mk. 12,31; 12,33; Lk. 10,27; Röm. 13,9; Gal. 5,14; Jak 2,8)

Eigentlich atmet die ganze Bibel dieses Gebot, es ist zu elementar. Umso trauriger, was mache Prediger daraus machen. Die behaupten nämlich: „Du musst erst Dich selbst lieben, bevor Du andere lieben kannst…“

Aber ist das wahr?

Ich meine „Nein“ und halte diese Auslegung für eine Lüge des Feindes, mit der er uns von GOTTES guten Absichten fernhalten will.

Nirgendwo in der Bibel wird gelehrt, dass wir uns selbst lieben sollen. Selbstliebe ist das Gegenteil von Demut, ist Egoismus und Selbstbezogenheit. Diese Welt geht nicht zugrunde, weil wir uns nicht selbst lieben, sondern weil die Welt sich zu sehr selbst liebt. Jeder dreht sich nur um sich selbst, kümmert sich um sich und sein eigenes Ego. Und das gleiche sollen jetzt auch die Christen tun? Ist denn niemand von uns jemals auf einen selbstverliebten Menschen gestoßen und hat erlebt, wie nervig Selbstverliebtheit und Selbstbezogenheit sein können?

Paulus stellt in Epheser 5,28f fest, dass jeder Mensch sich selbst liebt.

Aber er hat auch vorhergesehen, dass schlimme Zeiten kommen, in denen die Selbstliebe überhand nehmen wird. Er warnt Timotheus davor in 2. Timotheus, 3,1-5. Ich lese nach der Schlachter 2000, denn die Lutherübersetzung ist an dieser Stelle etwas ungenau, ob Zufall oder Absicht weiß ich nicht:

Das aber sollst Du wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden SICH SELBST LIEBEN, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als GOTT; dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende Dich ab!

Für „sich selbst lieben“ steht im griechischen „phil-autoi“, das bedeutet wörtlich „Liebhaber ihres eigenen Selbst“. Alle die negativen Eigenschaften, von denen Paulus hier spricht, sind die Folgen dieser Selbstliebe, die so gerne von den Kanzeln gepredigt wird. Dabei sagt schon Jesus in Johannes 12,25a: Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren…

Paulus wiederum ergänzt und erweitert das Gebot der Nächstenliebe, wenn er in Philipper 2,3b schreibt, dass wir in Demut einer den Anderen höher achten sollen, als uns selbst. Zu Deutsch: Wir sollen unseren Nächsten mehr lieben als uns selbst!

Und so wird ein Schuh draus. Wir müssen nicht lernen, uns selbst zu lieben, das tun wir ohnehin. Wir müssen anfangen, den anderen zu lieben, ihm zu dienen, das tut unserer Seele wohl, nicht das Kreisen um uns selbst.

Das bestätigt auch die weltliche Psychologie, sowie meine eigene Erfahrung. Wenn ich anfange, mich um andere zu kümmern, sie mehr zu lieben als mich selbst, wird meine Seele gesund. Das ist GOTTES Plan und Absicht. Jeder weiß, dass er sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. Wenn ich nur um mich selbst kreise, werde ich untergehen, wenn ich aber Anderen diene und sie liebe, werde ich gesund. Das habe ich am eigenen Leib erlebt und es stimmt mit dem Zeugnis der gesamten Schrift überein. Nochmals Philipper 2,3f in seiner Ganzheit: Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.Wenn wir die Lasten des anderen tragen, werden wir nicht nur das Gesetz Christi erfüllen (Galater 6,2), auch wird unser Kreuz leichter und unserer Seele geht es gut.

Jesus bezeichnete nur dann den Glauben eines Menschen als groß, wenn er selbstlos war. Das tat Er nur zweimal: Bei der syrophönizischen Frau, die für ihre Tochter bat, und bei dem Hauptmann, der für seinen Knecht bat. Kennzeichen eines großen Glaubens ist also, dass er eingesetzt wird, um anderen zu helfen.

Du sollst den HERRN, Deinen GOTT, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und Deinen Nächsten wie Dich selbst. (Lukas 10,27) Wahre Nächstenliebe funktioniert nur, wenn wir GOTT lieben. GOTT lieben können wir nur, wenn wir uns von Ihm geliebt wissen. Stimmt also unsere Beziehung zu GOTT, stimmt auch unsere Beziehung zu unserem Nächsten.

Wie kann diese Erkenntnis nun in uns durchdringen und wachsen?

Nun, dieser Weg ist ein Prozess, der damit beginnt, dass ich mir bewusst werde und mir immer wieder bewusst mache, dass ich geliebt bin, auch und gerade dann, wenn meine Gefühle mir etwas anderes einreden wollen. Uns sollte klar sein, dass es niemals GOTT ist, der uns klein macht, uns anklagt oder uns an Seiner Liebe zweifeln lässt. Es ist immer der Feind, der die liebevolle Beziehung zu unserem Vater untergraben möchte. Dem sollten wir uns vehement entgegenstellen, diese Lügen zurückweisen und mit aller Kraft und ganzem Herzen daran festhalten, dass wir geliebt sind, völlig unabhängig von unseren Gefühlen, die doch so trügerisch sein können.

Aus eigener Anschauung und aus meinem engsten Kreis heraus weiß ich, wie schwer man es hat, wenn man sich nicht geliebt weiß, wenn man nie genug ist. Es ist ein Gefängnis, in dem man die unmöglichsten Dinge anstellt, nur um ein bisschen Frischluft zu atmen. Jesus spricht in Johannes 8,38: Wenn Euch nun der Sohn frei macht, so seid Ihr wirklich frei. Er selbst ist es, der uns freisetzt, uns alles geschenkt hat und unsere Herzen mit Liebe füllt. Diese Liebe, dieser Glaube, die wir empfangen haben, streben nach außen, setzen sich ein und werden tätig (Jakobus 2,17). Selbst wenn wir nur einen Glauben und Liebe haben, so klein wie ein Senfkorn, werden wir damit die Welt verändern und sie ein klein wenig besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.

Ein Kommentar zu „Wer liebt hier wen?

  1. Hallo, Ihr Lieben! Ich wollte gerne was ergänzen, weil viele Menschen, insbesondere religiöse Menschen oder Gottsucher sich damit stressen, dass sie nicht wirklich lieben können. Das war bei mir so. Erst als ich zu Jesus kam, öffnete sich das für mich. Das Schöne ist ja, dass Gott uns auch damit nicht alleine lässt. Wir können Ihn darum bitten, dass Er uns die Liebe (Agape) für Andere schenkt, die wir nicht aus uns selbst heraus erzeugen können. Das tut Er dann auch, das war mir wichtig! Durch Ihn können wir lieben, nicht wirklich aus uns heraus…

    Gutes zu tun und einander zu lieben – darüber sprach Paulus zur Gemeinde, denn Er wollte keine Spaltungen, sondern Eintracht. Auch wenn es um das Thema ging, Gutes zu tun, sagte Er all dies den Gemeinden, an die die Briefe ja gerichtet sind. (Witwen, Waisen, Arme zu unterstützen). Es ging ihm um den Leib, dann aber natürlich auch um Andere, noch außenstehende Menschen, die des Unterstützens wert sind. Wer das ist, das kann man Gott fragen… Herzliche Grüße und Segen…

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