jesus@home: Blind geboren

Doro erzählt

Solange die Welt besteht, hat noch niemand die Augen eines Blindgeborenen öffnen können. (Johannes 9,32; NLB)

In unserem Gottesdienst am 7.6.20 hatten wir einen besonderen Gast: Doro, die blind geboren ist.

In ihrer Andacht schlägt sie eine Brücke zwischen ihrem Leben und dem des Blindgeborenen aus Johannes 9, den Jesus heilt.

Bemerkenswert sind beide Lebensgeschichten, sowohl die von Doro, von der sie gleich erzählen wird, als auch die Heilung in Johannes 9, und dies nicht nur, weil sie im Johannesevangelium ein ganzes Kapitel einnimmt, also in aller Ausführlichkeit erzählt wird.

Nein, Jesus scheint hier völlig aus der Rolle zu fallen: Mit voller Absicht bricht Er die Regeln der Rabbis, die Überlieferung der Ältesten, das mündliche Gesetz. Wohlgemerkt, Jesus bricht nicht das Gesetz, welches GOTT durch Mose gegeben hatte. Nein, daran hält Er sich peinlich genau. Was Ihn stört, ist das, was die religiöse Elite der Juden aus dem Gesetz gemacht hat: Sie haben einen Zaun um das Gesetz gezogen, mit einer Unmenge an Ge- und Verboten rund um das Gesetz herum, damit nur niemand in Versuchung käme. So gab es z.B. um das eine Gebot der Schabbatruhe aus den 10 Geboten etwa 1.500 Ausführungsbestimmungen. Dies war noch nicht einmal das Schlimmste, denn schlimmer war, dass die religiösen Führer ihr eigenes Gesetz über das von GOTT stellten, es somit aushebelten.

Dieses Problem war nicht neu, es bestand schon zur Zeit des Alten Testaments. Jesus zitiert in Matthäus 15 den Propheten Jesaja, als Er darauf aufmerksam macht.

Und so bricht Er immer wieder und mit voller Absicht diese Menschengebote, um auf das Unrecht aufmerksam zu machen, auch hier bei der Heilung des Blindgeborenen. Er tut dies am Schabbat und heilt, indem Er einen Brei macht, den Er dem Blinden auf die Augen streicht. Beides war keinesfalls erlaubt, so jedenfalls die Pharisäer und Schriftgelehrten.

Die Heilung ist aber gleichzeitig Zeichen und Beweis für die Messianität Jesu, denn wie in Vers 32 in Johannes 9 festgestellt wird, wurden von Anbeginn der Welt keinem Blindgeborenen die Augen geöffnet. Dies konnte, und dies wussten alle Juden, einzig und allein der Messias tun, der von GOTT verheißene Retter und Erlöser der Juden und der Welt.

Aber nun wollen wir Doro zu Wort kommen lassen:

Ich möchte mich zunächst jetzt mal kurz vorstellen: Mein Name ist Dorothee Müller und ich komme aus NRW, bin von Geburt an blind und das ist auch das Thema des heutigen Gottesdienstes. Ich beziehe mich auf Johannes 9, es geht um die Heilung des Blindgeborenen, um einen Mann, der, genau wie ich, blind geboren wurde und ich möchte die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen uns darstellen. Leider ist der Text so umfangreich, dass ich ihn nicht komplett vorlesen kann und nur auf diese Dinge jetzt eingehen möchte. Wer sich näher dafür interessiert, kann in Johannes 9 einfach noch mal nachlesen. Wie gesagt, es geht in diesem Text um einen blinden Mann, der von Jesus geheilt wird, und zwar, indem Jesus einen Brei macht und ihm auf die Augen streicht. Der Mann geht zum Teich Siloah, wäscht sich und kann dadurch wieder sehen.

Bei mir ist dies nun nicht so gewesen, aber dennoch gibt es ja Parallelen zwischen uns beiden. Auf der einen Seite ist es so, dass er natürlich in einer ganz anderen Zeit gelebt hat als ich, nämlich vor 2.000 Jahren in Israel.

Blinde Menschen konnten damals ihren Lebensunterhalt nur dadurch verdienen, dass sie eben auf der Straße bettelten, weil sie weder eine Schul- oder Berufsausbildung noch irgendetwas anderes tun konnten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich gab es auch kein Sozialsystem, so wie hier heute, was diese Menschen hätte auffangen können.

In Deutschland werden blinde Menschen unterstützt, wir haben nicht nur die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung oder sogar ein Studium zu absolvieren, sondern auch noch Vergünstigungen, wie Blindengeld und andere Dinge, wie z.B. Blindenführhunde, die als einzige Assistenzhunde auch von der Kasse übernommen werden und vieles mehr. Dinge, die natürlich damals überhaupt nicht möglich waren.

Trotzdem hatte auch ich Schwierigkeiten, die natürlich nicht zu vergleichen sind mit dem Blinden vor 2.000 Jahren, aber die Möglichkeit, einen Beruf auszuüben, hatte ich letztendlich auch nicht, weil ich schlicht und einfach keine Stelle bekommen habe und, wie man mir mehrfach sagte, auch aufgrund meiner Schwerbehinderung. Schule, Studium und so weiter waren natürlich etwas kompliziert, weil ich integrativ beschult wurde, was einen erheblichen Zeit- und Mehraufwand bedeutete. Doch, im Gegensatz zu dem Blinden vor 2.000 Jahren hatte ich diese Chance.

Durch diese Schwierigkeiten, die ich immer wieder hatte, habe ich auch das Gefühl gehabt, dass ich eigentlich mit GOTT so nichts anfangen konnte, weil ich davon ausging dass alles Positive und alles Negative, also alles was mir so im Leben widerfährt, von GOTT kommt und dass GOTT das frei entscheidet, wie Er etwas handhaben will. Er hätte ja auch mein Leben ganz glatt verlaufen lassen können, also vom ersten bis zum letzten Tag nur positiv verlaufen lassen können.

Aber dann habe ich mich dadurch, dass mit der Zeit immer mehr positive Dinge in meinem Leben passiert sind, GOTT zugewendet.

Bei vielen Menschen läuft es genau andersherum, sie erleben sehr schlimme Dinge, wissen oft nicht mehr weiter oder sind in einer ausweglosen Lage und werden dann von GOTT gerettet oder GOTT hilft Ihnen, zum Teil auch durch andere Menschen. Bei mir war das nicht so, es war genau umgekehrt: GOTT hat mir gute Dinge getan, wie z.B. dass ich mehr Kontakte bekam, oder dass ich auch etwas dazu beitragen konnte, dass Menschen in meiner Familie geholfen werden konnte und dass ich zwei hervorragende Führhunde hatte, ohne die ich das Studium und alles andere nicht hätte bewältigen können.

Dadurch bin ich dann ins Nachdenken gekommen, es ist auch schon vorher so Vieles passiert, was ich eigentlich für unmöglich gehalten habe oder was an sich hätte so gar nicht passieren dürfen. So bin ich zu früh geboren worden, und dass ich das überhaupt überlebt habe, dass mir GOTT auch schon da geholfen hat, ist mir im Nachhinein erst klar geworden.

Dadurch habe ich mich immer mehr Ihm zugewandt und hatte auch das Gefühl, dass durch Gebet Dinge in meinem Leben passieren, also wenn ich für etwas gebetet hatte, dass Gott dann auch die Gebete erhört hat, auch wenn das manchmal ein bisschen gedauert hat. Ich habe immer mehr Vertrauen dadurch entwickelt, bin zum Glauben gekommen und bin heute aktiv in einer Freien evangelischen Gemeinde, sowie auch in anderen Gemeinden, wie z.B. der Landeskirche in meiner Umgebung. Ja, ich bin sehr dankbar, dass ich das machen kann, auch dass ich mich an diesem Gottesdienst beteiligen kann.

Der Blindgeborene wurde ja mehrfach gefragt, was die Sache mit seiner Heilung auf sich hatte, was er in Jesus sieht. Er bekennt sich zu Jesus, auch wenn dies für ihn viele Nachteile hat. Er sagt, Jesus ist ein Prophet und kann kein Sünder sein, denn sonst hätte Er nicht tun können, was Er getan hat. Der Blinde steht also zu Jesus, auch wenn dies bedeutete, dass man ihn aus der Synagoge ausschloss, dass die Chancen, die er jetzt durch seine Heilung hatte, ihm wieder verbaut werden konnten. Aber er hat das riskiert, er hat mit Jesus danach auch noch mal Kontakt gehabt, hat mit ihm gesprochen und so hat er Jesus geglaubt, Ihm vertraut, genau wie es sich bei mir letztendlich dann ja auch entwickelt hat.

Der Blindgeborene wurde ja geheilt, er konnte wieder sehen. Aber es wurden ihm nicht nur die Augen geöffnet, sondern auch die geistlichen Augen, indem er Jesus erkannt hat und sich zu ihm auch bekannt hat, eben ähnlich, wie das bei mir auch war, als ich erkannte, dass GOTT schon immer in meinem Leben etwas Positives bewirkt hat.

Wenn Du das nächste Mal dabei sein möchtest oder Du mit uns oder Doro in Kontakt treten möchtest, dann klick Dich rein: www.jesusathome.de

2 Kommentare zu „jesus@home: Blind geboren

  1. Toll, dass ihr einen interaktiven Gottesdienst anbietet. Wirklich empehlenswert !!
    Danke Doro und danke an Sabine und Joseph !!
    Weiter so !! Mögen viele Menschen erreicht werden und Jesus kennen lernen …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s