Kann man sich selbst vergeben?

Wie werde ich frei von der Schuld, die mich so quält?

Rette ich mich selbst, oder lasse ich mich retten?

Ich versichere Euch: Ihr kommt erst wieder frei, wenn Ihr Eure Schuld bis auf den letzten Cent bezahlt habt. (Matthäus 5,26; NLB)

In der Psychologie und in evangelischen Kreisen wird viel davon gesprochen, dass der Mensch sich selbst vergeben muss, wenn er ein freies und erfülltes Leben führen will.

Aber geht das? Kann man sich selbst vergeben?

Ist das nicht ein bisschen wie dem Baron von Münchhausen nachzueifern, der sich selbst retten wollte, indem er sich an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf zog? Geht das?

Nun, ich denke nicht, ich glaube, sich selbst zu vergeben ist genauso unmöglich wie sich selbst zu kitzeln oder sich selbst zu befriedigen. Auch glaube ich nicht, dass man in sich selbst ruhen oder sich selbst genug sein kann. Ich bin der festen Überzeugung, alle Dinge, die im deutschen mit „Selbst“ beginnen, funktionieren in GOTTES Reich nicht. Dazu gehören, meiner Meinung nach, auch das Selbstbewusstsein und der Selbstwert. Und auch eine Selbstbedienung gibt es in GOTTES Reich nicht.

Ha, denkst Du jetzt vielleicht: „Und was ist mit der Selbstliebe? Die Bibel fordert uns doch auf, unseren Nächsten zu lieben, wie uns selbst, oder nicht?“ Oh, je, würde ich dann sagen, mach doch nicht den selben Fehler wie die Mormonen mit der Polygamie, der Vielehe. Nur weil die Bibel feststellt, dass etwas ist, heißt das noch lange nicht, dass sie es auch gutheißt, man muss schon immer die ganze Bibel lesen!

Paulus stellt im Epheserbrief (5,29) lapidar fest, dass jeder Mensch sich selbst liebt. Genauso lapidar stellt er in 2. Timotheus 3,1ff (SCHL, NLB) die negativen Folgen der Selbstliebe dar. Lese die Verse am Besten in der Übersetzung der Schlachter- oder der Neues Leben-Bibel, denn viele andere Übersetzungen verfälschen den im griechischen Original gebrauchten Begriff „Selbstliebe“. Selbstliebe ist in unserer Zeit, und dies leider auch bei vielen Christen, eben sehr opportun.

Du merkst schon, das „Selbst“ ist mir suspekt, denn meiner Meinung nach sind wir von GOTT auf ein Gegenüber geschaffen und das Gegenüber steht dabei höher als unser Selbst (vgl. Philipper 2,3). Die Probleme fangen in dem Moment an, wo wir unser Selbst erhöhen, es höher achten als unseren Nächsten, als GOTT.

Auch Vergebung braucht, wie alles andere, ein Gegenüber.

Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen: Nehmen wir mal an, Du gehst bei Rot über die Ampel. Dummerweise hat ein Polizist Dich gesehen und gibt Dir ein Ticket, ein Knöllchen, einen Strafzettel. Wenn Du nun vergisst, das Ticket zu bezahlen, wirst Du ziemlich bald feststellen, wie der Staat buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um die Schulden einzutreiben. Es gibt keine Chance, sich da herauszureden, Ruhe kehrt erst in dem Moment ein, wo die Schuld bezahlt ist, und zwar vollständig, bleibst Du auch nur einen Cent schuldig, gibst es kein Erbarmen, der Staat schickt Dich u.U. sogar für den einen Cent ins Gefängnis. Und dann treffen Jesu Worte zu, wenn Er in Matthäus 5,26 sagt: Ich versichere Euch: Ihr kommt erst wieder frei, wenn Ihr Eure Schuld bis auf den letzten Cent bezahlt habt. (NLB)

Es gibt ihn, den Ankläger, den Verkläger der Brüder, der peinlich genau darauf achtet, dass jeder, wirklich ausnahmslos jeder, seine Schuld, sein Ticket bezahlt, bis auf den letzten Cent!

Aber ich kann es nicht bezahlen, kann meine Schuld nicht wieder gut machen und so kann ich mir auch nicht selbst vergeben.

Ich brauche Hilfe!

In dem Moment, wo ich dies einsehe, wo ich bereit bin, mir helfen zu lassen, wird mir auch geholfen.

Denn da ist jemand, ein Gegenüber, der das Ticket für mich bereits bezahlt hat, was bleibt, ist dieses Geschenk im Vertrauen anzunehmen.

Da ist Jesus, der Sein Leben gab, damit ich leben kann, frei sein kann. Frei von aller Schuld, denn Er hat nicht nur das Ticket bezahlt, er erlässt mir auch meine sämtliche Schuld. Er ist mein Gegenüber, der mir vergibt, völlig unabhängig davon, was ich angestellt habe. Und Er ist der einzige, der dies tun kann, denn Er hat den Preis bezahlt, das Ticket ausgelöst. Der Ankläger muss schweigen, die Schuld ist bezahlt.

Der Weg ist also nicht, sich selbst zu vergeben, sondern die Vergebung, die Jesus uns anbietet, anzunehmen, in Ihn mein Vertrauen zu setzen, in Ihm meinen Erlöser, meinen Retter zu sehen.

Mit der Vergebung empfange ich nicht nur die Befreiung von meiner Schuld, sondern auch Liebe, die einzig wahre Liebe, die von GOTT kommt. Sie erfüllt und durchdringt mich ganz, quillt in mir über, hin zu meinem Nächsten, den ich nun auch so lieben kann, wie Jesus mich liebt, dem ich vergeben kann, wie mir vergeben ist.

Tragen wir die Liebe Jesu auf diese Weise in die Welt, ist sie anschließend nicht mehr die Gleiche wie vorher, wir haben sie ein ganzes Stück besser hinterlassen, als wie wir sie vorgefunden haben…

Wenn Du kein Gegenüber hast, Dir aber eines wünscht, dann laden wir Dich in unsere Gemeinschaft Jesus@home ein. Du bist jederzeit herzlich willkommen, ganz egal wer oder wo Du bist. Hab Mut, schnupper rein, ganz bequem von zu Hause aus…

Ein Kommentar zu „Kann man sich selbst vergeben?

  1. Mt 5,25: Setz alles daran, dich noch auf dem Weg zum Gericht mit deinem Gegner zu einigen. Sonst wird der Richter dich verurteilen, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis stecken. 26) Und ich sage dir: Von dort wirst du nicht eher wieder herauskommen, bis du auch den letzten Rest deiner Schuld bezahlt hast.
    Zusammen mit Vers 25 bekommt der Vers 26 eine andere Bedeutung.
    Wir haben Gesetze, die befolgt werden müssen. Mt 22,21: Gebt dem Kaiser, was ihm zusteht, und Gott, was ihm gehört. Bei unseren Mitmenschen sollen vor Gnade vor Recht gehen lassen.

    Manche Menschen gehen mit sich s e l b e r sehr hart ins Gericht. Nur dann spricht man davon, er soll sich selber vergeben, oder mit anderen Worten: nicht so unversöhnlich mit sich umgehen. In diesem Fall geht es nicht um die Schuld, die anderen getan wurde.

    Mit Selbstliebe ist nicht Narzissmus gemeint. Sondern: Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

    „Der Ankläger muss schweigen, die Schuld ist bezahlt.“
    Das ist das Gesetz des Himmels.

    So sieht es hier auf Erden aus:
    Wenn ich etwas unechtes getan habe, werde ich vom Richter, dem Ankläger, verurteilt und bekomme eine Strafe, die erfüllt werden muss. Dann sollte ich das Opfer auch um Vergebung bitten und den Schaden, wenn es geht, wieder gut machen.

    Menschen ohne Selbstachtung können sich und andere kaum realistisch einschätzen.

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