Jesus und die Frau, die Er nicht verdammt hat

Alles eine Frage der Definition, oder?

Wer oder was definiert mich, meinen Nächsten, meinen Jesus?

2 Frühmorgens aber kam Jesus wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu Ihm, und Er setzte Sich und lehrte sie. 3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4 und sprachen zu Ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 Mose hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst Du? 6 Das sagten sie aber, um Ihn zu versuchen, auf dass sie etwas hätten, Ihn zu verklagen. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie Ihn nun beharrlich so fragten, richtete Er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. 8 Und Er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie das hörten, gingen sie hinaus, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Da richtete Jesus sich auf und sprach zu ihr: Wo sind sie, Frau? Hat Dich niemand verdammt? 11 Sie aber sprach: Niemand, HERR. Jesus aber sprach: So verdamme Ich Dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr. (Johannes 8,2-11)

In den meisten Bibelübersetzungen wird der Abschnitt aus dem Johannesevangelium mit „Jesus und die Ehebrecherin“ überschrieben. Wie Du Dir denken kannst, finde ich meine Überschrift viel passendender. Denn es ist doch alles eine Frage der Definition, oder? Wer oder was definiert mich, wie definiere ich mich selbst und andere, meine Nächsten und meinen Jesus? Und, vor allem, wie definiert Jesus mich, meinen Nächsten, meine Umwelt?

Die Frau in der Mitte wurde von den Männern um sie herum als Ehebrecherin definiert und hat sich wahrscheinlich auch selbst so gesehen. Wie aber definiert Jesus sie; wie sie sich selbst, nachdem Jesus sie entlassen hat?

Definieren wir uns selbst über unsere Fehler oder die Vergebung, definieren wir unseren Nächsten nach seinen Fehlern oder in der Vergebung, auch wenn diese Person uns selbst Unrecht getan hat?

Jesus definiert uns niemals über unsere Fehler, sondern immer über unser Herz. Ist dieses aufrichtig vor GOTT, empfangen wir die vollständige Vergebung, nicht einer unserer Fehler wird uns jemals wieder zugerechnet.

Dabei redet Jesus die Sünde weder klein noch schön, Er nennt sie beim Namen, … sündige hinfort nicht mehr, spricht Er zu der Frau in Vers 11, als Er sie entlässt. Aber selbst wenn sie wieder in Sünde fällt, oder ich, dann ist  Jesus immer nur ein Gebet weit entfernt, wir brauchen uns nur umzudrehen, umzukehren…

Den Pharisäern und Schriftgelehrten ging es aber gar nicht um die Frau, es ging ihnen darum, Jesus eine Falle zu stellen. Denn sagt Er: „Steinigt sie“, dann bricht Er das römische Recht, dass den  Juden die Anwendung der Todesstrafe verbietet. Sagt Er dagegen: „Lasst sie gehen“, bricht Er das Gesetz des Mose, das allen Juden heilig war und ist. Hat Jesus also das jüdische Gesetz gebrochen, in dem Er die Frau aus Liebe gehen ließ?

Das sei ferne! Jesus hat Zeit Seines Lebens hier auf Erden nicht ein einziges der 613 Ge- und Verbote der Thora, des Gesetzes gebrochen. Er ist sünd- und schuldlos, denn nur ein solches Lamm kann unser vollkommenes und endgültiges Opfer sein.

Was sagt denn das Gesetz?

5. Mose 17,6a:  Auf zweier oder dreier Zeugen Mund soll sterben, wer des Todes wert ist…

Diese Zeugen waren da, sie waren es, die die Frau anklagten. Aber nach Jesu Wort ging einer nach dem anderen weg, es war niemand mehr da. Aber genau diese Zeugen hätten den ersten Stein werfen müssen wie es im Gesetz ein Vers weiter heißt: Die Hand der Zeugen soll die erste sein, ihn zu töten…

Diese Frau konnte nicht gesteinigt werde, da die Zeugen gegangen waren, Jesus hat also voll und ganz nach dem Gesetz des Mose gehandelt. Die Falle, die Ihm die Schriftgelehrten und Pharisäer gestellt hatten, ist ihnen selbst zu Grube geworden…

Das Gesetz kann nicht aufgelöst werden, auch durch Jesus nicht. Mit Jesus ist aber ein neues Gesetz gekommen, dem Gesetz des Mose sind wir abgestorben, nun leben wir durch den Geist in der Gnade.

Jesus ist immer beides: Ganz Wahrheit – ganz Liebe, ganz Gerechtigkeit – ganz Gnade, ganzer Mensch und ganzer GOTT.

Es ist wie mit einer Münze, ist sie nur auf einer Seite geprägt, ist sie nichts wert, sie taugt nicht zum Bezahlen. Eine halbe Münze ist eine ganze Lüge, genau wie bei unserem Jesus, predigt man nur die halbe Wahrheit, spricht man eine ganze Lüge.

Das ist schwer zu verstehen und noch schwerer zu leben. Denn betrachten wir jeweils nur die eine Seite der Münze, werden wir entweder gesetzlich oder predigen die Allversöhnung. Beides ist aber verkehrt, auch der oft beschworene Mittelweg hilft uns hier nicht weiter, denn man muss immer beide Seiten sehen, die ganze Münze, den ganzen Jesus; den Blick in die eine oder andere Richtung schweifen zu lassen, führt uns in die Irre.

Und so sollten wir uns hüten, diejenigen zu sein, die den ersten Stein werfen, denn für jeden Menschen, auf den ich einen Stein werfen will, finden sich doch genug andere, die einen Stein auf mich werfen dürften, oder?

Und oft reicht schon ein Stein…

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