Mit Markus auf dem neuen Weg – Kapitel 4

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Jesus lehrt und spricht in Gleichnissen (Vers 1-9)

1 Und er fing abermals an, am Meer zu lehren. Und es versammelte sich eine so große Menge bei ihm, dass er in ein Boot stieg, das im Wasser lag, und er setzte sich; und alles Volk stand auf dem Lande am Meer. 2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen: Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen. 4 Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. 5 Anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 6 Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Und anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s, und es brachte keine Frucht. 8 Und all das Übrige fiel auf das gute Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach. 9 Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Jesus lehrt in Gleichnissen, genau wie der Vater im Alten Testament (vgl. Hosea 12,11; NLB: Ich habe Meine Propheten ausgesandt, um dich mithilfe vieler Visionen und Gleichnisse zu warnen.). Ein Gleichnis ist ein Bild vom Reich GOTTES, sowohl im Himmel, als auch hier auf Erden. So können wir sehen, was dem natürlichen Auge verborgen ist.

Die Gleichnisse sind Teil Seiner Predigt, am Ende der Predigt erklärt Er Seinen Jüngern den Sinn der Gleichnisse und legt sie ihnen aus.

Der Sinn der Gleichnisse (Vers 10-12)

10 Und als er allein war, fragten ihn, die um ihn waren, samt den Zwölfen nach den Gleichnissen. 11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; denen draußen aber widerfährt es alles in Gleichnissen, 12 auf dass sie mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.

Mit Vers 12 versetzt Jesus uns in Erstaunen: Er will nicht, dass das Volk sich bekehrt und ihnen vergeben wird! – Warum nicht?

Ich denke mir das so: Bis zum Kreuz gab es ein göttliches „zu spät“. Ein Beispiel dafür im Alten Testament ist 2. Mose 4,21, wo GOTT davon spricht, dass Er das Herz des Pharao verstockt, damit dieser die Kinder Israels nicht ziehen lässt.

GOTT kennt unser Herz, Er weiß genau wie wir reagieren und Er weiß auch genau, dass es irgendwann keinen Sinn mehr macht, auf unser böses Herz einzuwirken. Der Zeitpunkt zur Umkehr ist verpasst, es gibt kein Zurück mehr…

Aber wie stehen die Dinge seit Jesu Tod am Kreuz?

Ich denke, seit dem Kreuz leben wir im Zeitalter der Gnade und wir haben einen GOTT der 1.000 Chancen, der uns in Jeus bereitwillig vergibt. Meiner Meinung nach verstockt GOTT keine Herzen mehr. Was nicht heißen soll, dass wir nicht selbst unser Herz verstocken, es unempfindlich machen gegenüber GOTTES gutem Wort und Seinen guten Werken. In diesem Fall findet der Heilige Geist immer weniger Raum, in und an uns zu wirken.

So erging es auch den meisten Juden zur Zeit Jesu, sie lehnten Ihn ab, wollten sich nicht bekehren und haben sich damit selbst aller ihrer Chancen beraubt.

Die Erklärung des Gleichnisses vom Sämann (Vers 13-20)

13 Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr dies Gleichnis nicht, wie wollt ihr dann die andern alle verstehen? 14 Der Sämann sät das Wort. 15 Diese aber sind es, die an dem Wege sind: Wo das Wort gesät wird und sie es gehört haben, kommt alsbald der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war. 16 Und diese sind es, die auf felsigen Boden gesät sind: Wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es sogleich mit Freuden auf, 17 aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so kommen sie alsbald zu Fall. 18 Und andere sind es, die unter die Dornen gesät sind: Die haben das Wort gehört, 19 und die Sorgen der Welt und der trügerische Reichtum und die Begierden nach allem andern dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. 20 Und jene sind es, die auf das gute Land gesät sind: Die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach.

Jesu Worte sind wohl selbsterklärend.

Im Hauskreis kamen wir aber auf die Frucht im letzten Vers zu sprechen. Wir haben gemerkt, wie sehr wir im Leistungsdenken dieser Welt gefangen sind, nach dem Motto: Wir müssen Frucht bringen, damit wir GOTT gefallen, nach Möglichkeit nicht dreißig-, sondern hundertfach.

Aber im Reich GOTTES geht es nicht um Leistung. Wie immer eigentlich, ist es auch hier wieder genau umgekehrt als in der Welt üblich.

Denkt doch mal an einen Apfelbaum: Muss der sich anstrengen, um Frucht zu bringen? Nein, die Frucht kommt fast ganz von allein, alles was es braucht, ist Regen, ein bisschen Pflege und ggf. etwas Dünger.

So auch wir: Wenn wir nur auf dem Weg mit Jesus sind, ist Er mit uns zufrieden, der Weg ist das Ziel. Nichts, was wir tun oder nicht tun, könnte Ihn dazu bringen, uns mehr oder weniger zu lieben, denn Er liebt uns völlig unabhängig von unserer Leistung bzw. unseren Fehlern…

Vom Licht – Du sollst Dein Licht nicht unter den Scheffel stellen (Vers 21-23)

21 Und er sprach zu ihnen: Zündet man denn ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Und nicht, um es auf den Leuchter zu setzen? 22 Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, das nicht an den Tag kommen soll. 23 Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Von welchem Licht spricht Jesus in Vers 21?

Dreimal weist Jesus im Johannesevangelium darauf hin, dass Er das Licht der Welt ist.

In Matthäus nennt Er uns, Seine Jünger, das Licht der Welt.

Jesus ist das Licht, weil Er die Liebe, die Wahrheit und die Gerechtigkeit ist. Seine Gnade überstrahlt alles, was es in dieser Welt und im Universum gibt. Wir, die wir mit Ihm auf dem Weg sind, werden auf diesem Weg Ihm immer ähnlicher, strahlen so Sein Licht aus. Wie der Mond Abglanz des Scheines der Sonne ist, so scheint Jesus durch uns hindurch, Sein Leuchten wird in und an uns sichtbar. Weder das Licht Jesu, noch Sein Wirken an uns sollen wir verstecken. Ganz im Gegenteil, wir sollen es erhöhen, es auf einen Leuchter setzen.

Ganz praktisch bedeutet dies: Mit Worten und Taten das Licht Jesu weitergeben, Ihm in allem die Ehre geben, Seine Liebe in diese lieblose Welt bringen, den Lügen des Feindes und der Welt Seine Wahrheit entgegenhalten. Kurz gesagt: Zeugen zu sein, oder, wie Paulus es ausdrückt: So sind wir Botschafter Christi, und GOTT gebraucht uns, um durch uns zu sprechen. (2. Korinther 5,20b; NLB).

Andere Übersetzungen sprechen in Vers 21 von einer Lampe, im Gegensatz zu dem von der Lutherübersetzung verwendeten Licht.

Eine Lampe zu Jesu Zeiten war eine kleine Öllampe, so wie man sie noch heute als Souvenir in Israel bekommt. Ohne Öl gibt diese Lampe kein Licht. Öl ist in der Bibel ein Symbol für den Heiligen Geist, wir haben also ohne Ihn kein Licht.

Einen Scheffel kennen wir in unserer modernen Welt nicht mehr. Der Scheffel ist ein Hohlmaß, mit dem man z.B. Getreide abmaß. Dabei kann man sich einen Scheffel als stark gewölbte Schaufel oder Kelle vorstellen, unter der man gut ein Licht verbergen konnte. Auch wird eine Öllampe unter einem Scheffel kaum Sauerstoff bekommen, so dass das Licht mit der Zeit erlöscht

Vers 22 bezieht sich wohl auf den Tag des Gerichts, an dem jeder, der nicht die Vergebung Jesu angenommen hat, Rechenschaft ablegen muss. An diesem Tag wird endlich Recht gesprochen und nicht die kleinste Kleinigkeit wird übersehen. Ja, selbst für jedes nichtsnutzige Wort wird diese Welt Rechenschaft ablegen müssen (Matthäus 12,36), niemand kann sich seiner Verantwortung entziehen. Wir allerdings, die Jesus vertrauen, sind bereits gerichtet und, auf Grund des Opfers von Jesus am Kreuz, freigesprochen von aller Schuld. Sind wir aber freigesprochen, sind wir es ein für alle Mal. Genau wie im deutschen Rechtssystem wird auch im Himmel niemand, der einmal freigesprochen wurde, ein zweites Mal angeklagt.

Denken wir doch an die beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Der eine erkennt seine Schuld und die Schuldlosigkeit Jesu an. Was sagt Jesus zu ihm? – „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein!“ (Lukas 23,39-43). Die gleichen Worte spricht Jesus heute noch zu jedem, der sein Vertrauen auf Ihn setzt. In dem Augenblick ist man in das Reich GOTTES eingetreten, hat sozusagen den Himmel auf Erden.

Was unseren Feind, den Teufel, nicht daran hindert, uns immer und immer wieder zu verklagen. Diese Lügen und Selbstanklagen müssen wir entschieden, mit dem Hinweis auf Jesu Opfer, zurückweisen, sonst werden wir ihnen am Ende glauben. Dies aber hätte schwerwiegende Konsequenzen, die z.B. zu Depressionen oder sogar Selbstmord führen können.  

Immer und immer wieder weist Jesus darauf hin, wie wichtig das Hören auf Ihn ist. Paulus betont, dass der Glaube aus dem Hören kommt (Römer 10,17; NLB). Wer nicht auf Jesu leise Stimme hört, sondern dem Geschrei dieser Welt zuhört, kann nicht zum Glauben kommen bzw. verliert früher oder später sein Vertrauen in Jesus.

Mit dem Maß gemessen (Vers 24f)

24 Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört! Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch zumessen, und man wird euch noch dazugeben. 25 Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat.

Meiner Meinung nach formuliert Jesus in den Versen 24f eine himmlische Gesetzmäßigkeit, Er sprach diese Sätze ja auch zu Juden, die unter dem Gesetz stehen.

Denken wir daran, dass mit Jesus eine Zeitenwende anbrach: Der Übergang vom Gesetz zur Gnade. Dies wird am Beispiel der Vergebung deutlich. Jesus lehrt, nachdem Er uns das Vaterunser gegeben hat, dass, wenn wir nicht vergeben, uns der Vater auch nicht vergeben wird (Matthäus 6,15). Paulus macht in Epheser 4,32 aber deutlich, dass wir vergeben, weil uns der Vater vergeben hat. Er sieht Jesu Worte also vom Kreuz her, mit den Augen der Gnade.

Genauso müssen wir also Jesu Worte in unseren Versen von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachten: Einmal für Menschen, die Jesus nicht angenommen haben, Ihm also nicht vertrauen und damit unter dem Gesetz stehen und zum zweiten vom Standpunkt der Gnade aus.

Das Gesetz sagt: Mit welchem Maß ihr messt, werdet ihr gemessen (Vers 24). Der Mensch, der unter dem Gesetz steht, ist schnell dabei, ein Urteil über andere zu fällen. Dabei wird oft mit zweierlei Maß gemessen: Das eigene Fehlverhalten, falls man es überhaupt selbst erkennt, wird entschuldigt und relativiert, nach dem Motto: Ich habe mich ja bemüht, es aber leider nicht erreicht. Das gleiche Fehlverhalten beim Anderen wird gnadenlos verurteilt. Paulus weist auf diesen Sachverhalt in Römer 2,1 hin, wenn er schreibt: Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest.

Jesus macht deutlich, dass mit diesem Verhalten am Jüngsten Tag Schluss sein wird: Das Maß, mit dem man andere beurteilt hat, wird nun einem selbst zugemessen, ja, es wird noch hinzugegeben: Das Maß der himmlischen Gerechtigkeit, des himmlischen Gesetzes, dem kein Mensch genügen kann.

Mit welchem Maß werden wir, die wir unter der Gnade stehen, gemessen?

Das Maß, das uns zugeteilt wird, ist die Gerechtigkeit Christi, die wir durch Seinen Kreuzestod erlangt haben. Und es wird ein Übermaß an Gnade hinzugegeben, sowohl in diesem Leben, als auch im Himmel, unserer wahren Heimat.

Das „wer da hat, dem wird gegeben“ in Vers 25 erinnert mich an das Gleichnis von den anvertrauten Talenten in Matthäus 25,14-29. Drei Dienern wird ein unterschiedliches Maß an Talenten zugeteilt, den ersten viel, dem letzten wenig. Die, denen viel anvertraut ist, wuchern mit ihren Talenten und gewinnen hinzu. Der, der nur ein Talent bekommen hat, vergräbt es in der Erde und hat, als sein Herr kommt, nur dieses eine Talent vorzuweisen. Es wird ihm genommen und dem gegeben, der am meisten hat. Zum Schluss des Gleichnisses, in Matthäus 25,29, spricht Jesus fast wörtlich den gleichen Satz, wie bei uns in Vers 25.

Die Menschen dieser Welt meinen viel zu haben, wuchern aber nicht mit ihren Talenten, d.h., sie setzen sie nicht für das Reich GOTTES ein, sondern nur, um die eigenen Gelüste zu befriedigen. Ihnen wird am Jüngsten Tag auch das genommen, was sie meinen zu haben. Nichts von den Werten der Welt hat Ewigkeitswert, nichts davon kann man am Ende der Tage mitnehmen.

Wir aber, die wir unter der Gnade stehen, werden wiederum, wie in Vers 24, mit einem anderen Maß gemessen. Das Maß, das uns zugemessen wird, ist Jesus. Jesus ist reich, wie Paulus es in 2. Korinther 8,9 betont, und er führt weiter aus, dass Jesus arm wurde um unseretwillen, damit wir reich würden. Wir sind also durch Jesus reich gemacht und gehören damit also auf keinen Fall zu der in Vers 25 genannten Gruppe derjenigen, die nichts haben und denen dann auch noch der Rest genommen wird.

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