Mit Markus auf dem neuen Weg – Kapitel 8

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Viertausend werden satt (Vers 1-9)

1 Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu Sich und sprach zu ihnen: 2 Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei Mir aus und haben nichts zu essen. 3 Und wenn Ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. 4 Seine Jünger antworteten Ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? 5 Und Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. 6 Und Er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und Er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie Seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7 Sie hatten auch einige Fische; und Er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. 8 Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. 9 Es waren aber etwa viertausend; und Er ließ sie gehen.

Nach der Speisung der 5.000 folgt nun hier die Speisung der 4.000. Es gibt einige Theologen, die stellen die Behauptung auf, dass beide Wunder dasselbe Ereignis gewesen wären. Das glaube ich auf keinen Fall, die Unterschiede sind doch zu eklatant und werden noch größer, wenn man die Erzählungen dazu aus den anderen Evangelien heranzieht. So spricht z.B. Jesus selbst später in diesem Kapitel und in Matthäus 16,9f von zwei Wundern.

Umso mehr fällt auf, dass die Jünger aus dem ersten Wunder scheinbar nichts gelernt haben, wieder fragen sie: „Woher nehmen wir Brot…“ (Vers 4). Liest man dann aber wirklich Jesu Worte in Bezug auf das Brot, später hier in diesem Kapitel, stellt man fest, dass sie es selbst nach dem 2. Wunder nicht begriffen haben, wieder sorgen sie sich um Brot und Jesus ermahnt sie liebevoll.

So oft spricht Jesus: „Sorge Dich nicht!“, in Seinen Taten liefert Er den Beweis, dass wir uns wirklich keine Sorgen zu machen brauchen. Aber ich habe festgestellt, an mir und anderen, dass ein bisschen von dem Zweifel der Jünger in vielen von uns steckt…

Wer bist Du? (Vers 10-13)

10 Und alsbald stieg Er in das Boot mit Seinen Jüngern und kam in die Gegend von Dalmanuta. 11 Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit Ihm zu streiten, versuchten Ihn und forderten von Ihm ein Zeichen vom Himmel. 12 Und Er seufzte in Seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, Ich sage Euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden! 13 Und Er verließ sie und stieg wieder in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

Jesus liebte das Galiläische Meer und anstatt sich die Sohlen der Sandalen abzulaufen, fährt Er mal wieder Boot. Und so kommt Er nach Dalmanuta, unweit von Kapernaum, Seiner Wahlheimat, am nordwestlichen Ufer gelegen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Er während der Überfahrt die Abgeschiedenheit mit Seinen Jüngern genossen hat, die Zeit nutzte, um die innige Gemeinschaft zwischen ihnen zu pflegen.

Mit den restlichen Juden hat es Jesus ja auch nicht so leicht, vor allem nicht mit den Pharisäern, die Ihn bis auf den Tod hassen und mal wieder einen Streit anfangen. Dabei haben sie kein offenes Herz, wie die Jünger, die zwar viel Mist bauen, aber begierig sind, von Jesus zu lernen, jeden Tag ein Stück zu wachsen und ihrem Meister immer ähnlicher werden wollen.

Nein, aus diesem Holz sind die Pharisäer nicht geschnitzt, sie sind selbstgerecht und meinen, schon alles zu wissen, es vor allem besser zu wissen…

Weil das so ist, halten sie sich auch für etwas Besseres, dass da jemand kommt, der größer ist als sie, ist einfach undenkbar. Und so streiten sie nicht nur mit Jesus, sie versuchen Ihn sogar, indem sie ein Zeichen vom Himmel fordern.

Gemeint ist ein zeichenhaftes Wunder, mit dem Jesus beweisen soll, dass Er der Messias ist, der von den Juden langerwartete Erlöser.

Jesus weist sie brüsk zurück und lässt sie einfach stehen.

Nie hat Jesus mit den Erwartungen der Menschen gespielt, dabei ist Er knallhart ehrlich. Auf der anderen Seite ist Er aber auch nicht bereit, alle Erwartungen, die die Menschen an Ihn haben, zu erfüllen. Jesus grenzt niemanden aus, aber Er weiß sich abzugrenzen. Dabei ist Er sich Seines Auftrages sehr wohl bewusst und Seiner eigenen Grenzen, denn nichts kann Er tun, was Er nicht den Vater tun sieht (Johannes 5,19) und der hat sich noch nie auf die Spielchen Seiner Menschenkinder eingelassen. Mit GOTT verhandeln können nur Seine Freunde, wie Mose und Abraham und natürlich wir, die Kinder Abrahams und besten Freunde von Jesus. Setzen wir unser Vertrauen auf Ihn, werden wir erleben, dass Er unseres Vertrauens würdig ist, allen Fragen, Ängsten, Zweifeln und, ja, auch den enttäuschten Erwartungen zum Trotz…

Wenn Brot nicht gleich Brot ist (Vers 14-21)

14 Und sie hatten vergessen, Brot mitzunehmen, und hatten nicht mehr mit sich im Boot als ein Brot. 15 Und Er gebot ihnen und sprach: Merkt auf, seht Euch vor, vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes. 16 Und sie überlegten hin und her, weil sie kein Brot hatten. 17 Und Er merkte das und sprach zu ihnen: Was bekümmert Ihr euch, dass Ihr kein Brot habt? Versteht Ihr noch nicht, und begreift Ihr noch nicht? Habt Ihr ein erstarrtes Herz in Euch? 18 Habt Ihr Augen und seht nicht und habt Ohren und hört nicht? Und denkt Ihr nicht daran: 19 Als Ich die fünf Brote brach für die fünftausend, wie viele Körbe voll Brocken habt Ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Zwölf. 20 Und als Ich die sieben brach für die viertausend, wie viele Körbe voll Brocken habt Ihr da aufgesammelt? Und sie sagten: Sieben. 21 Und Er sprach zu ihnen: Begreift Ihr denn noch nicht?

Schon beim Auszug aus Ägypten sollten die Juden auf den Sauerteig verzichten (2. Mose 12,15), ebenso bei vielen Opfergaben, auf der anderen Seite konnte man aber auch Sauerteig als Dankopfer darbringen (Amos 4,5).

Jesus vergleicht in Matthäus 13,33 das Himmelreich mit einem Sauerteig, von dem ein bisschen, unter eine große Menge Mehl gemengt, ausreicht, das ganze Mehl zu durchsäuern. Die Gelehrten streiten darum, ob Jesus dies nun im guten oder negativen Sinne meint. Ich persönlich glaube nicht, dass ein bisschen Gutes ausreicht, die große Menge Böses zu durchdringen und zum Guten zu wenden, eine kleine Menge Böses vergiftet dagegen alles um sich herum. So spricht auch Paulus u.a. vom „Sauerteig der Bosheit“ und dem „ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit“ (1. Korinther 5,8).

Der Sauerteig der Pharisäer und des Herodes ist, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Sie merken, Jesus ist kein Reformator, sondern jemand der alles auf den Kopf stellt, das Unterste nach oben kehrt. Oder, wie Jesus es sagt, neuen Wein in neue Schläuche füllt (Matthäus 9,17). Sie aber wollen unbedingt den alten Wein behalten, so verfolgen sie Jesus, und später Seine Nachfolger, bis aufs Blut…

Auch die Jünger lernen nur langsam dazu, so langsam, dass Jesus manchmal zu verzweifeln scheint. Aber Er hat Geduld und erklärt ihnen alles. Nach der Auferstehung werden sie sich mit Hilfe des Heiligen Geistes erinnern und alles verstehen (Johannes 14,26)…

So dürfen auch wir uns auf den Heiligen Geist verlassen, der uns tröstet, führt und leitet und uns die Kraft gibt für alles, was vor uns auf unserem Weg liegt!

Nicht im ersten Anlauf (Vers 22-26)

22 Und sie kamen nach Bethsaida. Und sie brachten zu Ihm einen Blinden und baten Ihn, dass Er ihn anrühre. 23 Und Er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, spuckte in seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst Du etwas? 24 Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen umhergehen, als sähe ich Bäume. 25 Danach legte Er abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich und wurde wieder zurechtgebracht und konnte alles scharf sehen. 26 Und Er schickte ihn heim und sprach: Geh aber nicht hinein in das Dorf!

Bethsaida bedeutet „Haus des Fischens“ oder „Haus der Jagd“, ist der Geburtsort von Petrus, Andreas und Philippus und liegt im Golan am See Genezareth. Es ist das gleiche Ort, über den Jesus in Matthäus 11,20f Sein Wehe ausspricht. Auch gibt es Bethsaida als Mädchennamen und hat dann die Bedeutung von „Barmherzig“.

Das ist aber auch schon alles, was klar ist, der Rest des Heilungswunders wirft doch mehr Fragen auf, als es beantwortet:

  • Warum nimmt Jesus den Blinden an die Hand und führt ihn vor das Dorf, anstatt ihn an Ort und Stelle zu heilen? Wenn Er die Einsamkeit gesucht hätte, wieso sieht der Blinde dann Menschen?
  • Warum spuckt Er den Blinden in die Augen, wo doch ein Wort von Ihm genügt hätte?
  • Warum fragt Jesus den Blinden, ob er sehen kann, ist Er sich Seiner Heilungskraft nicht mehr bewusst, ahnt Er, dass der Blinde noch nicht zurechtgebracht ist?
  • Warum muss Jesus dem Blinden zweimal die Hände auflegen, bevor dieser scharf sehen kann?
  • Warum lässt Jesus den Blinden nicht in das Dorf zurückkehren?
  • …und was hat das alles mit uns heute zu tun?

Du bist der Christus (Vers 27-30)

27 Und Jesus ging fort mit Seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte Er Seine Jünger und sprach zu ihnen: Wer, sagen die Leute, dass Ich sei? 28 Sie aber sprachen zu Ihm: Sie sagen, Du seiest Johannes der Täufer; andere sagen, Du seiest Elia; wieder andere, Du seiest einer der Propheten. 29 Und Er fragte sie: Ihr aber, wer, sagt Ihr, dass Ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu Ihm: Du bist der Christus! 30 Und Er bedrohte sie, dass sie niemandem von ihm sagen sollten.

Jesus ist auf dem Weg in den Norden, nach Cäsarea Philippi, knapp 40 km nördlich des See Genezareths gelegen, direkt an der Grenze zum Libanon, also schon quasi im Ausland. Der Ort repräsentiert das Verhältnis der jüdischen Elite zur Besatzungsmacht Rom: Zum einen nach den römischen Cäsaren benannt, zum anderen nach dem Fürsten Philippus, der sich Rom vollständig unterworfen hatte.

Fast sieht es so aus, als kehre Jesus den Juden, Seinem Volk, und Seinem Land Israel den Rücken. Seine Wunder will Er nicht mehr öffentlich werden lassen und so konzentriert Er sich ganz auf die Ausbildung Seiner Jünger. Welcher Jüngerkreis in Vers 27 gemeint ist, die Zwölf, die 70 oder gar darüber hinaus, bleibt offen.

Auf dem Weg stellt Jesus die wichtigste Frage im Leben eines Menschen: Wer bin Ich? (Vers 29)

Das Volk hat keine eindeutige Antwort, also auch nicht viel anders als heute.

Die Frage, wer denn Jesus für mich ist, muss jeder Mensch für sich selbst beantworten. An der Antwort auf diese Frage hängt aber, im wahrsten Sinne des Wortes, das ganze Menschleben.

Für Petrus ist die Antwort klar: Du bist der Christus, der verheißene Messias, der Erlöser und Retter dieser Welt!

Petrus hat das wahre Leben gefunden, ein Leben, das über das bloße Überleben hinaus geht.

Wie lautet Deine Antwort?

Petrus versteht nicht… (Vers 31-33)

31 Und Er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und Er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm Ihn beiseite und fing an, Ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah Seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter Mich, Du Satan! Denn Du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

Schon mal einen schlechten Ratschlag gegeben? Schon mal einen schlechten Ratschlag erhalten? Schon mal einen schlechten Ratschlag befolgt?

Der Rat des Petrus, seine Idee, die dahinter steckt, ist so schlecht, dass Jesus ihn vor den Ohren der anderen Jünger scharf zurechtweist.

Reagiert Jesus so scharf, weil Er einen Moment versucht ist, dem Rat zu folgen und das Kreuz zu umgehen? Dachte Er an das Versprechen des Teufels in der Wüste, Ihm alles zu geben, wenn Er ihn nur anbeten würde?

Offensichtlich gibt es einen göttlichen Weg und menschliche Wege, die wir im Alltag gehen können, gehen möchten. Da braucht es den Heiligen Geist, um zu unterscheiden und im Zweifelsfall gute Ratschläge geben zu können…

…wird fortgesetzt

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